Analyse der Dankesrede von Kim de l’Horizon
Mit dem Roman Blutbuch gewann Kim de l’Horizon 2022 als erste non-binäre Person den Deutschen Buchpreis. Die Dankesrede, die de l’Horizon im Anschluss hielt, zeigt verschiedene Elemente, die aus dem traditionellen Rahmen einer Dankesrede ausbrechen.
Video der Preisverleihung, Quelle: YouTube
Das Outfit
Kim de l’Horizon tritt bei dem Ereignis als farbenfroh gekleidete Person auf. Dies fällt besonders dadurch auf, dass das Publikum und die anderen Preisträger*innen in eher gedeckten Farben, wie Schwarz, Weiß und Beige zu sehen sind. Kim de l’Horizon hingegen tritt in einem langen Rock aus grün-blauen Pailletten, einem giftgrünen trägerlosen Oberteil aus Federn und einem langärmligen durchsichtigen Mesh-Oberteil in Lila auf. Die Wahl der Farben und der Materialien sowie das Make-Up, welches sich durch roten Lippenstift, geschminkte Augen und roten Nagellack hervorhebt, wie auch eine Clutch als Accessoire in der gleichen Pailletten-Optik wie der Rock, legen einen auffälligen Akzent auf die Erscheinung von Kim de l’Horizon.
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Das Outfit besteht aus eher ‚feminin‘ gelesenen Teilen und trägt im Rahmen der non-binären Inszenierung de l’Horizons zu einer ‚Diskursivierung‘ der Kleidungsnormen des Literaturbetriebs bei.
Die Bühne
Als Karin Schmidt-Friderichs Kim de l’Horizons Namen verkündet, fällt die Anspannung von dem*der Autor*in ab. Nach erleichtertem Ausatmen läuft de l’Horizon durch das Publikum und umarmt Freund*innen und Familie. Es dauert gut eine Minute, bis de l’Horizon auf der Bühne ankommt. Der*die Preisträger*in wirkt zunächst verwirrt, scheint sich nicht sicher zu sein, ob die Bühne betreten werden soll oder nicht. Während Schmidt-Friderichs die Begründung der Jury vorliest, steht de l’Horizon zurückhaltend daneben und freut sich sichtlich über die lobenden Worte. Als im Anschluss Fotos mit der Urkunde gemacht werden, grinst de l’Horizon stolz in die Kamera.
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Im Anschluss verlässt Schmidt-Friderichs die Bühne. Wirkte de l’Horizon zuvor noch nervös und unsicher, strahlt der*die Autor*in hinter dem Rednerpult nun Ruhe und Selbstsicherheit aus, macht einen souveränen Witz über seine/ihre Brille. Trotz der wie angekündigt unvorbereiteten Rede wird de l’Horizons selbstsichere Ausstrahlung und Bühnenpräsenz durch eine feste Stimme, klare Blicke und gelassene Körperhaltung deutlich. Stottern oder hektische Bewegungen gibt es nicht.
Der Song
Der erste Bruch in De l’Horizons Rede erfolgt, nachdem der*die Preisträger*in sich bei seiner/ihrer Mutter bedankt. Ohne vorherige Ankündigung wechselt de l’Horizon sodann von Privatperson zu Performance und beginnt das Lied Nightcall von Kavinsky zu singen. Im Anschluss wird es wieder emotional, de l’Horizon dankt mit tränenerstickter Stimme Freund*innen, die Kim durch eine „schwere Zeit” geholfen hätten. Auffällig ist, dass die an Freund*innen und Familie gerichteten Worte in Schweizerdeutsch gesprochen werden. Mit diesem Moduswechsel bewirkt de l’Horizon einen privaten und emotionalen Einblick in Gefühle und Gedanken.
Die Geste
Nach der emotionalen Passage folgt erneut eine unerwartete Aktion, welche mit den Worten „dieser Preis ist nicht für mich“ eingeleitet wird. Mit zielgerichteten, ruhigen Bewegungen beginnt de l’Horizon, sich die Haare abzurasieren, um sich mit den Frauen im Iran zu solidarisieren. Der auffällig lange Applaus lässt sich womöglich darauf zurückführen, dass das Publikum unsicher ist, wie auf diese politische Geste zu reagieren sei.
Fazit
In vielerlei Hinsicht fällt dieser Auftritt aus dem Rahmen einer rhetorisch geplanten Dankesrede und deckt ein breites Spektrum ab – von eher ‚rhetorischen‘ Anteilen (Bedanken) bis hin zu ‚performativen‘ Aktionen (Singen, Rasieren). Es entsteht der Eindruck, dass verschiedene, durch längere Pausen getrennte Abschnitte aneinandergereiht werden, die auch für sich stehen können.
De l’Horizon als Preisträger*in richtet den Blick während der gesamten Rede strikt ins Publikum und wirkt selbstsicher. Lediglich in den ungeplanten Dankesansprachen zeigen sich kurze Augenblicke des Zögerns. Dies bringt die Dankesrede jedoch nicht ins Wanken. Die ungewöhnliche und emotionale Dankesrede wird mit einer nüchternen Schlussformel kurz und knapp beendet, indem Kim de l’Horizon die Hände zusammenschlägt und sich bei der Jury bedankt.
Die Jury des deutschen Buchpreises 2022 bestand aus Erich Klein, Frank Menden, Uli Ormanns, Isabelle Vonlanthen, Selma Wels, Jan Wiele und Miriam Zeh.
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